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Aus Holz und Algen: Mode, die nachwächst

Cabea Belusa, 21 Jahre

Mode und nachwachsende Rohstoffe, ist das nicht ein alter Hut? Schließlich ist doch praktisch jedes T-Shirt aus Baumwolle! Das stimmt nur bedingt und die herkömmliche Baumwolle ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Wie wär’s denn mal mit Shirts aus Holz oder Algen?

Zuerst einmal: Mit gefühlten Wahrheiten ist das so eine Sache. Selbst wenn bei uns die meisten T-Shirts aus Baumwolle wären – wir tragen ja in der Regel mehr als das Shirt. Der Anteil von Naturfasern an der gesamten Faserproduktion sinkt seit Jahrzehnten und ist mittlerweile bei gerade mal rund 30 Prozent angekommen. Der größte Teil davon ist tatsächlich Baumwolle. Und der aller größte Teil von diesem größten Teil ist leider überhaupt nicht nachhaltig: Wusstest du, dass ein T-Shirt aus konventioneller Baumwolle beim Anbau mit rund 150 Gramm Pestiziden belastet wird und einmal um die halbe Welt fliegt, bevor es im Geschäft landet? Dass der Anbau der Baumwolle für das eine Shirt 2000 Liter Wasser verbraucht? Und das nicht mal ein Prozent der gesamten weltweit produzierten Baumwolle aus biologischem Anbau stammt?

Fast hundertprozentig unnachhaltig

Man könnte also sagen: Fast 100 Prozent der weltweiten Textilfaserproduktion sind nicht nachhaltig. Entweder stammen die Fasern aus fossilen Rohstoffen (Erdöl) und verursachen damit noch mehr CO2-Emissionen als zum Beispiel Baumwolle. Oder sie stammen eben aus Baumwolle, bringen damit den Wasserhaushalt ganzer Regionen durcheinander, vergiften Grundwasser und Böden, gefährden die Artenvielfalt und können über einen längeren Zeitraum auch gefährlich für die Bauern sein. Bio-Baumwolle ist da schon ein Schritt in die richtige Richtung, da zum Beispiel keine Pestizide eingesetzt werden müssen. Das Wasserproblem bleibt allerdings größtenteils bestehen. Deshalb ist es gut, dass es noch weitere nachwachsende Rohstoffe gibt, die in der Mode eingesetzt werden können – und diese sind noch nachhaltiger. Sie verbrauchen also unter anderem weniger Ressourcen, belasten die Umwelt weniger und verursachen weniger CO2-Emissionen.

Darum das Ganze – Fast Fashion vs. nachhaltige Mode

Bevor wir uns aber weiter damit befassen, sollten wir uns in Erinnerung rufen, warum nachhaltige Mode so wichtig ist. Ein Begriff, der in den letzten Jahren sehr bekannt geworden ist, ist „Fast Fashion“ oder auf Deutsch, „Schnelle Mode“. Das klingt erstmal gut, niemand möchte ewig lange warten, auch nicht auf Kleidung. Allerdings versteckt sich viel mehr hinter diesem Wort. Fast Fashion bezeichnet Kleidung, die billig produziert und für wenig Geld verkauft wird, damit man sich häufiger neue kaufen kann. Die Produktion von Fast Fashion zielt darauf ab, so schnell wie möglich neue Kleidung herzustellen, neuen Trends zu folgen oder eigene zu setzen, um die Kund*innen dazu zu bringen, sich ständig Neues zu kaufen. Durch die billige Produktionsweise haben diese Kleidungsstücke auch kein langes Leben, sie verziehen sich schnell, Löcher entstehen und Fäden reißen, weil sie schon von Anfang an nicht vernünftig vernäht waren.

Wenn die Kleidungsstücke aus Kunstfasern bestehen, löst sich mit jedem Waschen Mikroplastik ab und gelangt in unser Grundwasser und das Meer. Die International Union for Conservation of Nature hat sogar herausgefunden, dass 34,8% des Mikroplastiks in unseren Meeren von Kleidung aus Kunstfasern kommt. Ach ja, und die Textilindustrie verursacht mehr CO2-Emissionen als Flugverkehr und Schifffahrt zusammen. Damit alles so billig bleiben und schnell produziert werden kann, werden Arbeiter*innen in ärmeren Ländern oft ausgebeutet und schlecht bezahlt, Kinderarbeit ist ein weiteres Problem.

Lyocell, die Faser aus Holz

Doch kommen wir endlich wieder zurück zu der Frage, ob Bio-Baumwolle der einzige für die Herstellung von Kleidung brauchbare nachwachsende Rohstoff ist, und die Antwort lautet: Nein! Es gibt noch mehr. Unter anderem Lyocell, eine biologisch abbaubare Cellulosefaser, die bereits jetzt schon von großen Modeketten verwendet wird, und SeaCell, eine Faser, die aus Algen gewonnen wird, bisher aber weniger massentauglich ist. Beide Fasern sind biologisch abbaubar und bestehen aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen.

Lyocell wird auch oft als Tencel bezeichnet und besteht also aus Cellulose. Die Fasern werden aus Holzschnipseln hergestellt, wobei vom Hersteller Lenzing auf nachhaltige Forstwirtschaft geachtet wird. Das bedeutet, dass nur so viele Bäume gefällt werden, dass es dem Wald nicht schadet. Um diese Holzschnipsel zu tragbarem Stoff zu verarbeiten, werden sie eingeweicht und zu einem Brei aus Wasser und einem ungiftigen Lösehilfsstoff verarbeitet. Daraufhin lassen sie sich zu nutzbaren Fasern spinnen. Das Material ist sehr beliebt, wenn es um nachwachsende Rohstoffe geht, da das Verfahren einen zu 99% geschlossenen Produktions-Kreislauf hat. Der Lösehilfsstoff kann zum Großteil wiederverwendet werden und wird nicht verschwendet. Lyocell ist auch biologisch abbaubar. Wenn man also ein T-Shirt aus dem Material in den Wald werfen würde, würde es mit der Zeit einfach kompostiert werden – ohne schlechte Auswirkungen auf die Natur. Das Verfahren ist sogar so umweltfreundlich, dass die Europäische Union die Herstellerfirma mit dem Europäischen Umweltpreis ausgezeichnet hat. Lyocell wird sogar schon in den großen Modehäusern verwendet. Unter anderem haben schon H&M, About You und Zalando den Stoff oder Stoffe, in denen Lyocell enthalten ist, zu normalen Preisen im Sortiment.

SeaCell – Von Algen zu Kleidung

SeaCell ist eine weitere Faser, die komplett aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Sie wird genauso produziert wie Lyocell; als Teil eines fast komplett geschlossenen Produktions-Kreislaufs mit Wasser und Lösehilfsstoffen, allerdings ist der Rohstoff, aus dem sie hauptsächlich gewonnen wird, nicht Holz: Nein, SeaCell besteht aus Algen. Die Algen, aus denen SeaCell gemacht wird, kommen aus Island. Dort werden diese von kleinen Booten aus geerntet, allerdings nur der Teil, den die Alge nicht braucht, um weiter wachsen zu können – ähnlich, wie wenn man Gras mäht. Die Wurzeln und ein Teil der Grashalme bleiben intakt, und so kommt der Rasen immer wieder. Nach dem Ernten werden die Algen zerkleinert und zermahlen, mit Cellulose vermengt (also dem Stoff, aus dem Lyocell besteht) und über das gleiche Verfahren zu Fasern verarbeitet.

Abgesehen von ihrer Nachhaltig- und Umweltfreundlichkeit hat die SeaCell-Faser allerdings noch einen weiteren Nutzen: Die verwendeten Algen, und damit auch die Kleidung aus SeaCell, sind sogar gut für die Haut. Leider ist SeaCell bislang auch deutlich teurer als Lyocell und noch nicht in der Alltagsmode vertreten. Man findet es bisher nur bei speziellen Händler*innen – für viel Geld. Allerdings: Was nicht ist, kann ja noch werden, und es ist gut zu wissen, dass es Alternativen zu umweltschädigenden Fasern gibt.

Ein Blick nach vorne

Eventuell wird es irgendwann Modedesigner*innen geben, die sich rein auf das Design von Kleidung aus Cellulose fokussieren. Vielleicht werden Wissenschaftler*innen weiteren Nutzen dieser Fasern erkennen – es stellt sich unter anderem die Frage, ob SeaCell durch seine zellregenerierende Wirkung vielleicht bei Menschen mit Hauterkrankungen eingesetzt werden könnte. Und auch du kannst helfen, auf diesem spannenden Gebiet voranzukommen! Es gibt nämlich einige Berufe, die dazu beitragen können, dass in Zukunft mehr Klamotten aus nachwachsenden Rohstoffen in den Läden zu finden sind und Abnehmer*innen finden.

Jobs für die Zukunft

Es wird in Zukunft eine Menge neue Betätigungsfelder auf dem Gebiet nachwachsender Rohstoffe geben. Falls auch du dich für diese und generell eine Wirtschaft mit mehr Nachhaltigkeit interessiert, hätten wir da was für dich:

Quelle: Pexels/cottonbro

Modedesigner*in

… als Modedesigner*in (Studium oder Ausbildung) gestaltest du Kleidung für große Fashion-Konzerne, aber auch für kleine Mode-Labels. Du lässt dich im Idealfall von neuen, nachhaltigeren Materialien inspirieren und konzipierst deine nächste Modelinie. Mit Kollektionen aus nachwachsenden Rohstoffen könntest du das Thema nachhaltige Mode mitten in die Gesellschaft tragen.

Quelle: Unsplash/CDC

Wissenschaftler*in

…. als Wissenschaftler*in forschst du in allen möglichen Bereichen. Mittels wissenschaftlicher Methoden werten Wissenschaftler*innen Daten aus, führen Versuche durch und suchen nach neuen Erkenntnissen. Forscher*innen beispielsweise in den Bereichen „Forschung für Nachhaltigkeit“ oder „Ressourcen“, aber auch in Grundlagenbereichen wie Biologie oder Biochemie bringen uns auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Lebensstil also voran.

Quelle: Unsplash/Austin Distel

PR-Manager*in

… als PR-Manager*in hast du vielfältige Aufgaben. Für Unternehmen oder Umweltverbände gehen PR-Manager*innen in die Öffentlichkeit und sprechen mit Journalist*innen und Politiker*innen, um sie über ihre Produkte oder Anliegen zu informieren. Viele Menschen wissen noch gar nichts über nachwachsende Rohstoffe – PR-Manager*innen können dabei helfen, deren Wissen zu erweitern.

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